Was ist ein Gravelbike und wo wird es eingesetzt?

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Seit einigen Jahren hört und liest man ihn immer öfter, den Begriff Gravelbike. Ist das tatsächlich eine weitere Sorte Fahrrad, die da auf sich aufmerksam macht? Oder hat man einfach etwas umbenannt? Gravelbikes kommen immer mehr in Mode und erfreuen sich an wachsender Beliebtheit. Rennradfahrer, Triathleten, Sonntagsfahrer und sogar Mountainbiker steigen immer öfter auf ein Gravelbike um oder haben ein solches Exemplar in ihrem Fuhrpark stehen.

Inhaltsverzeichnis

Der Siegeszug des Gravelbikes war ganz klar abzusehen. Es hat sich ein Rad entwickelt, auf das die Fahrradwelt schlichtweg noch gewartet hat.

Claudia

Die Geschichte des Gavelbikes

Die Straßen werden für Radfahrer immer gefährlicher, das Netz der Radwege ist in Deutschland nur dürftig ausgebaut und zusätzlich oft nur schlecht gepflegt. Als Radfahrer ist man deshalb immer öfter auf nicht geteerten Wegen, abseits des Verkehrs, unterwegs. Ein Gravelbike trägt seinen Namen wegen des Untergrundes für den es hauptsächlich gebaut und ausgestattet wurde. Gravel steht in Englisch für Kies oder Schotter und das ist auch genau das Terrain, auf dem sich das Rad am wohlsten fühlt. Abseits der Straße ist man mit dem Gravelbike komfortabel auf den unterschiedlichsten Untergründen unterwegs. Es handelt sich also um eine eigene Fahrradart, die erst seit ungefähr 2015 überhaupt auf dem Markt ist. 

Vor rund 6 Jahren haben die ersten Hersteller Gravelbikes in ihr Angebot aufgenommen. Zuerst eroberte das Gravelbike die Herzen der US-Amerikaner, dann hat es sich in auf seinen Europasiegeszug gemacht. Und der hält an. Warum ist das so? 

Der Unterschied zwischen dem Gravelbike und anderen Rädern

Gravelbike vs. Cyclocrosser

Ein Gravelbike ist kein Rennrad, kein Mountainbike und auch kein Cyclocrosser. Vielmehr ist es die perfekte Schnittmenge aus zwei Welten, die ansonsten wenig Überschneidungen haben. Ein Gravelbike mischt ein Mountainbike mit einem Cyclocrosser. Der Cyclocrosser ist ein off-road taugliches Rennrad. Er wird vor allem für Crossrennen benutzt. Dieses Fahrrad hat deshalb eine vortrieb-freudige Geometrie und eine entsprechende Bereifung. Der Crosser liebt Geschwindigkeit. Er ist leicht zu schultern, um Hindernisse zu überwinden und hat eine sportliche Sitzposition.

Im Grunde ist es ein Rennrad für jeden Untergrund. Gerade die Bremsen und die Bereifung unterscheiden sich von der Straßenversion. In den Bremsen und im Reifenprofil kann gut auch mal eine Schlammpackung Platz finden. Bei Cyclocrossrennen ist die Zeit vorgegeben und nicht, wie bei anderen Radsportveranstaltungen, die Streckenlänge. Crossrennen dauern meist zwischen 20 und 60 Minuten. Der Cyclocrosser ist also etwas für kurz und knackig. 

Gravelbike vs. Mountainbike

Ein Mountainbike ist ein geländetaugliches Fahrrad für bergiges, gerne auch sehr steiles, ruppiges, oder gar grobes Gelände. Es ist mit sehr breiten, grobstolligen Reifen ausgestattet und hat meist einen kurzen Vorbau und einen breiten, geraden Lenker. Mountainbikes punkten oft mit verschiedensten Federungen, die ihre Geländegängigkeit noch zusätzlich unterstreichen. Unterschieden wird zwischen dem vollgefederten Fully und dem Hardtail, bei dem der Hinterbau nicht gefedert ist. Mountainbike-Rennen gibt es in den unterschiedlichsten Formaten. Im Wesentlichen gibt es diese drei Kategorien, in denen sich alle Formate irgendwie wiederfinden: Downhill, Enduro (oftmals auch als Etappenrennen) und Cross-Country. Alle diese Rennformate sind streckenbasiert.

Was zeichnet ein Gravelbike aus?

Ein Gravelbike ist anders. Das Gravelbike orientiert sich am Lenker des Rennrads, nutzt aber die aufrechte Sitzposition und die Bereifung eines Mountainbikes oder zumindest dessen ähnelt. Es ist für lange Fahrten ausgelegt, und wird deshalb auch meistens als Reiserad verwendet. Die Geometrie ist deutlich bequemer, als bei einem Rennrad und ganz anders als die eines Mountainbikes. Zusätzlich kommt es Reisenden, die immer öfter auch auf Gravelbikes unterwegs sind, natürlich entgegen, wenn das Rad auf jedem Untergrund zurechtkommt. Wer sein Fahrrad mit entsprechenden Taschen ausstattet, bekommt als Reiseradler oder Bikepacker an seinem Gravelbike viel unter.

Das Gravelbike als Reiserad - Bikepacking mit dem Gravelbike.

Gravelbikes sind mit deutlich breiteren Reifen unterwegs, als sie bei einem Crosser montiert werden können. Sie sind deshalb auch viel komfortabler zu fahren. Die Reifenbreite und der deutlich geringere Luftdruck geben dem Gravelbikefahrer einen zusätzlichen Fahrkomfort. Der montierte Lenker ist dem eines Rennrads sehr ähnlich. Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass der Lenker zwar gedreht ist, aber nach außen verläuft. Das entspricht dem Charakter des Gravelbikes.

Offroad-Abenteuer werden mit einem Gravelbike zum absoluten Spaßfaktor.

Claudia


Die Form des Lenkers ist überhaupt nicht windschnittig, wie man es bei einem Crosser oder bei einem Rennrad haben möchte. Wenn man beim Gravelbike unten greift, wird die Windangriffsfläche breiter. Absolut sinnfrei, wenn es um Geschwindigkeit geht. Erfreulicherweise tut es das beim Gravelbike nicht. Wenn man mit dem Gravelbike unterwegs ist, empfiehlt es sich Zeit mitzubringen um die Wege zu erkunden. Um schnell von A nach B zu kommen ist ein Gravelbike nicht unbedingt die erste Wahl. Schon die Bereifung, die ja der eines Mountainbikes ähnelt, ist beim Ansehen langsam. Das kommt natürlich auch auf den Hersteller des Reifens und das gewählte Reifenmodell an. Mountainbike-Reifen lassen das Rad massiv wirken. Wenn ich mich ins Zeug lege, schaffe ich natürlich auf Asphalt oder im Wald auch mit dem Gravelbike Geschwindigkeit, allerdings ist das nicht die Natur dieses Fahrrads.

Das Gravelbike - mit seinen breiten Reifen ideal für Schotter und Kies.

Gravelrennen

Mittlerweile erfreuen sich auch die Anhänger von Gravelbikes an Rennen. Wenn Sport die Menschen zusammen bringt, ist das einfach prima. Wettkämpfe und Gravelbiken passt für mich nicht unbedingt perfekt zusammen. Allerdings gibt es für die Anhänger des Gravelbikes mindestens zwei unterschiedliche Renn-Formate:

  • Eintages-Verstaltungen mit Renncharakter
  • Mehrtages-Veranstaltungen kombiniert mit Bikepacking

Von Feldwegen bis hin zu technischen Trails ist in einem Gravelrennen praktisch jede Wegführung möglich. In den verschiedenen Leistungsklassen geht es sogar bis zu sehr anspruchsvollen Single Trails, die ansonsten eher Mountainbikern vorbehalten sind. Bei Mehrtages-Veranstaltungen geht es, außer um die Zeit auf dem Fahrrad, draußen in der Natur, auch um die autarke Übernachtung. Hier wird also oft das Bikepacking mit dem Gravelbiken verbunden. 

Im Grund verbinden Gravelrennen damit die lange Strecke von Fahrrad Straßenrennen mit den fahr-technischen Anforderungen aus Mountainbikerennen. Abseits vom Straßenverkehr lange Strecken auf den verschiedensten Untergründen unterwegs sein, ist eine Herausforderung. Oft wird bei Gravelrennen auch wenig bis gar nichts ausgeschildert und die Fahrer folgen einer Wegführung auf ihrer mitgeführten Karte oder ihrem GPS Gerät. Selbst zu navigieren ist also eine weitere Spezialität, die Gravelrennen von denen Rennen der Cyclocrosssportler und Mountainbiker unterscheidet.  


Fazit

Ein Gravelbike mag jeden Untergrund, am liebsten aber, seinem Namen entsprechend, den Schotter.  Das Rad ist für lange Strecken gemacht. Es lässt sich, dank der oftmals extrem Berg-freundlichen Übersetzung, praktisch überall hochfahren. Breite Reifen bieten richtig guten Grip und sorgen gleichzeitig für einen hervorragenden Fahrkomfort. Beim Graveln kommt es dem Radler meist nicht auf die Geschwindigkeit an, sondern darauf überall unterwegs sein zu können. Jeder Untergrund macht Freude, vieles Trails sind gut zu befahren, fast kein Weg ist zu steinig und jeder Umweg ist willkommen. An jeder Wegkreuzung wartet ein neues Abenteuer, weil der Gravelbiker frei entscheiden kann, wo entlang gefahren wird. Eine neu gewonnene Fahrradfreiheit, die Spaß und Unabhängigkeit verspricht. 

Über die Autorin dieses Artikels

Claudi ist Hobbytriathletin und schreibt ihr Triathlon Trainingstagebuch seit über 10 Jahren auf ihrem Blog Claudi gives it a TRI. Durch zwei schwere Fahrradunfälle, die Rehamaßnahmen und Neustarts im Anschluss, um die es in ihrem Tagebuch ebenfalls geht, macht Claudi vielen Anfängern Mut, es mit ihrem Lieblingssport oder einer der Teildisziplinen selbst mal zu probieren. 

Sie trainiert gerne abseits des Straßenverkehrs und startet von zu Hause direkt in die Felder und Wälder des Rhein-Main-Gebiets. Vor allem beim Fahrradtraining abseits der Straße ist Claudi mit ihrem Gravelbike unterwegs. Dabei schult sie ihre Fahrtechnik und kann nebenbei die Seele baumeln lassen. Trainingsfahrten mit ihrem Gravelbike sind ganzjährig gespickt mit Mikroabenteuern und verbinden Sport und Erholung.